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Ziel & Methode
Zum Verständnis von Nachhaltigkeit benötigen
wir Systemwissen – also Wissen über Strukturen, Funktionen,
Prozesse und Wirkungszusammenhänge. Handlungsfähig wird,
wer mit diesem Wissen sinnvoll umgehen kann. Ziel des Studienprogramms
ist daher die Förderung wissenschaftlich fundierter Handlungskompetenz.
Systemwissen wird verbunden mit Bewertungen, mit ethischen Orientierungen
zum Verhältnis von Mensch und Natur, mit Denken in Alternativen,
mit vorausschauendem Denken. Darüber hinaus bietet das Studienprogramm
Wissensbestände an, die Wege zur Nachhaltigkeit weisen. In
das „wissenschaftliche Wissen“ werden bspw. kulturelle
Wissensbestände, Alltagserfahrungen, die Sichtweisen von
Kindern und Jugendlichen, anderer Kulturen und Lebensweisen oder
auch tradiertes Wissen im Umgang mit Natur einfließen.
Der Syndromansatz
Im Studienprogramm wird der Nachhaltigkeitsgedanke
exemplarisch an einem bestimmten Syndrom erarbeitet. Der Wissenschaftliche
Beirat der deutschen Bundesregierung Globale Umweltveränderungen
(WBGU) hat mit dem „Syndromkonzept“ eine Auswahl von
zentralen Themenfeldern vorgelegt und dargestellt, die der Vernetztheit
von Problemen gerecht werden. Auf der Grundlage von Expertenwissen
wurden globale „Krankheitsbilder“ identifiziert, die
kritische Veränderungen widerspiegeln (z.B. Treibhauseffekt,
Bodenerosion). Der Beirat geht jedoch über eine bloße
Diagnose der Probleme hinaus: Er benennt Trends, die für
den globalen Wandel relevant sind. Diese wesentlichen Muster der
Mensch-Umwelt-Beziehung betreffen verschiedenen Ebenen: Biosphäre,
Pedosphäre, Atmosphäre, Hydrosphäre, Bevölkerung,
Wirtschaft, Psychosoziale Sphäre, Gesellschaftliche Organisation
und Wirtschaft / Technik. Zwischen diesen Ebenen lassen sich Wechselwirkungen
abbilden und typische Muster von Wechselwirkungen benennen –
die sogenannten „Syndrome“.
Der Syndromansatz ist als Ausgangspunkt für
eine intensive Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit interessant,
weil er nicht nur die für das Leitbild zentralen Fragen verdeutlichen
kann, sondern weil dies in einer Art und Weise geschieht, die
Komplexität und Vernetztheit nicht wegdefiniert, sondern
nachvollziehbar macht und veranschaulicht.
Als Ausgangspunkt für ein Syndrom
wird nicht ein bestimmtes Umweltproblem benannt, sondern eine
menschliche Aktivität, die z.T. auch unterschiedliche Probleme
verursachen kann. Es wird daher nicht nur die Dynamik ökologischer
Prozesse untersucht, sondern immer auch der Bezug zu menschlichem
Handeln. Soziale Prozesse, Akteure und Orte rücken damit
in den Vordergrund und können analysiert werden. Die bisherigen
nicht-nachhaltigen Entwicklungen lassen sich auf diese Weise beschreiben
und bilden die Grundlage für die Entwicklung zukunftsfähiger
Modelle und Handlungsoptionen.
Methodische Erarbeitung
Wie kann der Vernetztheit von Syndromen Rechnung
getragen werden? Einen möglichen Zugang findet man über
die Leitlinie des exemplarischen Lernens und Lehrens. Mit Exemplarik
ist gemeint, dass sich die Studierenden an wenigen einführenden
Beispielen das Verständnis mehr oder minder verallgemeinerbarer
Zusammenhänge, Einsichten, Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten
aneignen. Dabei ist im Exemplarischen das Strukturelle enthalten,
so dass allgemeine Strukturen erfasst werden, die auf andere Systeme
übertragen werden können.
Ausgehend von der Tatsache, dass unterschiedliche
Welt- und Naturverständnisse sowie verschiedene sozio-ökonomische,
kulturelle und politische Zielsetzungen und Handlungsweisen existieren,
werden im Zusammenhang mit dem Syndrom auftretende Konflikte thematisiert
und zu lösen versucht. Dies soll auf der Grundlage einer
Verknüpfung von sachbezogenem und sozialem Lernen geschehen.
So werden zum Beispiel Erkenntnisse über die Gefährdung
der natürlichen Lebensgrundlagen durch den Menschen mit dem
Ziel erarbeitet, die Wahrnehmungsfähigkeit für sowie
das Wissen über Handlungen und ihre Auswirkungen auf die
Umwelt zu erweitern. Dabei werden Erfahrungen reflektiert, statt
moralisch begründete Handlungsmaximen aufzustellen.
Das Studienprogramm bietet Ansatzpunkte
für vernetztes Denken und selbstbestimmtes Lernen. Es wird
am konkreten Beispiel (case studies) gelernt und durch die Partizipation
von Praxisakteuren wird der Realitätsbezug der wissenschaftlichen
Auseinandersetzung deutlich.
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