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Urbane Räume – blühende Stadtlandschaften?

Bereits heute bietet die städtische Umwelt Lebensraum für die Hälfte der Weltbevölkerung. Im Jahr 2025 wird sich die Zahl derer, die in Städten leben, auf zwei Drittel, also mehr als fünf Milliarden Menschen, erhöhen. Folglich stellt sich Frage, wie das Leben in der Stadt organisiert sein muss, um den Ansprüchen einer wachsenden Einwohnerzahl gerecht zu werden, ohne dass sich die negativen Auswirkungen des Stadtlebens lediglich in andere Räume verlagern.

Mit Assoziationen von Elendsvierteln asiatischer oder südamerikanischer Städte im Kopf vergisst man leicht, dass auch in Europa die Urbanisierung nicht ohne Probleme voranschreitet. Die Konzentration menschlicher Aktivitäten auf beengtem Raum, die Vielfalt von Nationalitäten, Lebensstilen und Interessengruppen führen auch in Städten der Industrieländer zu Konflikten. Die Unruhen in den Vorstädten von Paris Ende letzten Jahres gaben drastische Hinweise auf soziale Ausgrenzung, ungleiche Einkommensverteilung und politische Ohnmacht, wie sie in vielen „sozialen Brennpunkten“ europäischer Städte beobachtet werden können.

Doch stehen Europas Städte noch vor ganz anderen Herausforderungen: Der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft und die fortschreitende Globalisierung hat vielen Städten ihre wirtschaftliche Grundlage entzogen, als bekanntes Beispiel hierfür sei der Verdichtungsraum Ruhrgebiet genannt. Die Gefahr, im internationalen Standortwettbewerb nicht konkurrenzfähig zu sein und dadurch Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze zu verlieren, ist auch heute sehr akut. Ein weiteres Problem, das die Städte westlicher Industrienationen zu bewältigen haben, sind die Auswirkungen des demographischen Wandels. Während in einzelnen Stadtteilen und Randgemeinden eine drastische Überalterung zu verzeichnen ist, wird die Ausweitung der Randbereiche der Stadt jedoch nach wie vor von neuen Gewerbeansiedlungen und dem anhaltenden Trend zum Eigenheim im Grünen angetrieben. Inwiefern aktuelle politische Entscheidungen, vor allem der Wegfall von Eigenheimzulage und der Pendlerpauschale bis 20 km, dem Flächenverbrauch entgegenwirken, bleibt abzuwarten.

Die Steuerung des städtischen Wachstums und die Verbesserung urbaner Lebensbedingungen erfordern die Berücksichtigung vieler Aspekte. Geht urbane Vielfalt mit Ungerechtigkeit und Ausgrenzung einher, kann dies zu einem Sicherheitsproblem werden. Ebenso mindern Belastungen durch Lärm, Abgase und andere Immissionen die Lebensqualität in Städten bis hin zu ernsthaften Gesundheitsschäden. Attraktive Lebensbedingungen bedeuten aber zugleich eine wichtige Voraussetzung für die Attraktivität als Wirtschaftsstandort. Hierzu zählen selbstredend auch eine gute Versorgung mit Bildungsangeboten sowie eine vielfältige Kulturlandschaft. Berücksichtigt man außerdem die Verflechtungen der Stadt mit dem Umland sowie die globalen Handels - und Kommunikationsnetzwerke, die besonders in großen Städten zusammenlaufen, so wird deutlich:

Die Herausforderung, städtische Lebenswelten attraktiv und global verträglich zu gestalten, betrifft soziale, kulturelle, ökologische und ökonomische Bereiche gleichermaßen und kann nur in einer interdisziplinären Herangehensweise bewältigt werden.

 
 
           
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