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Das Verhältnis von Kultur, Kunstinstitutionen und medialen Strategien steht
im Mittelpunkt der Ausstellung "Moirés". Welche "Images" generieren
Kunstinstitutionen und mit welchen Bildern wird "Kultur" vermittelt? In den vergangenen
Jahren war zu beobachten, dass sich Funktion und Bedingungen gegenwärtiger Kunst und ihrer
Institutionen unter dem Einfluss des Trends zur Eventkultur maßgeblich verändert haben.
Kunst und Kultur folgen vermehrt einer korporativen
Logik, werden als Standortfaktor und Touristenattraktion wahrgenommen und für die Stärkung lokaler,
regionaler und nationaler Identitäten nutzbar gemacht. Die Institution Kunst, so scheint es, ist
zunehmend einer ökonomischen Verwertungslogik unterworfen, wie umgekehrt von einer Kulturalisierung
der Ökonomie gesprochen wird.
Diese Beobachtungen sind Hintergrund der Ausstellung "Moirés". Die Frage, welche Rolle Kunst als
besonderes Feld der Bildproduktion und Kunstinstitutionen als Teil der Öffentlichkeit in einer
veränderten Medienlandschaft einnehmen, ist dabei grundlegend. Mit künstlerischen Mitteln
thematisieren Andreas Fogarasi, Katya Sander und das Kunst– und Medienkollektiv Urtica wesentliche
Bedingungen heutiger Kunst– und Bildproduktion und setzen mit ihren Reflexionen ein Moment der
Differenz. Der Ausstellungstitel – ein technischer Fachbegriff, der eine fehlerhafte bzw. unruhige
Musterung von Bildern, eine Verschiebung der Farbspuren in elektronischen und gedruckten Bildern
bezeichnet – dient hier als Metapher für künstlerische Verfahren, die diese Prozesse aufmerksam
beobachten und zugleich abweichende eigene Arbeitsweisen mit und innerhalb der Institution Kunst
entwerfen.
Die Ausstellung und der Ausstellungsraum werden hierbei selbst zu ‘Medien’. So schafft Andreas Fogarasi
mit seiner Lüneburger Version der Disko im Berg – eine Referenz auf die geplante und nicht realisierte
Salzburger Filiale des Guggenheim-Museums, das zum vieldiskutierten Modell einer globalen
Marketingstrategie von Kunst wurde – einen eigenen Raum, der die räumliche Choreografie des Kunstraums
der Leuphana UniversitäMt für den Zeitraum der Ausstellung verändert. Vor dem Hintergrund der Debatte
über einen Neubau Daniel Libeskinds auf dem Lüneburger Campusgelände gewinnt dieser zusätzlich
Resonanz. Auch Urtica und Katya Sander greifen Elemente ihrer Beobachtungen vor Ort auf. Urtica
integriert neue Bildzeichen in ihr internetbasiertes Projekt Social Engine über den Zusammenhang von
Icons und soziokulturellen Verhaltensmustern. Katya Sander erweitert ihre Videoinstallation Televised I:
the Anchor, the I, and the Studio, in der die Frage nach "Öffentlichkeit", "Publikum"
und dem "Subjekt" der Medien eine zentrale Rolle spielt, um ein weiteres Interview mit einem lokalen Sender. So verbindet
sich der Blick von außen mit einer hohen Aufmerksamkeit für den Kontext der Ausstellung und seine
ästhetischen, kulturellen und architektonischen Eigenheiten.
‘Moirés’ ist Teil des EU-Projekts ‘TRANSFORM’. ‘TRANSFORM’ zielt auf die Förderung des
entstehenden Felds neuer Institutionskritik in den visuellen Künsten und darauf, ihre Effekte auf
gesellschaftliche und institutionelle Transformationen zu erforschen und ist gegenwärtig die elaborierteste
und renommierteste Unternehmugn in dieser Hinsicht.
Diese Projekt wurde im Rahmen von transform.eipcp.net und mit Mitteln des EU-Kultur 2000 Programms der Europäischen Union durchgeführt.
Mit freundlicher Unterstützung von Kunstradet. Danish Arts Council.
KünstlerInnen
Andreas Fogarasi, * 1977, lebt in Wien. Ausstellungen (Auswahl): 2007 52. Biennale in Venedig
(Goldener Löwe); Kunstverein Düesseldorf; European Kunsthalle, Köln; Georg Kargl, Wien.
2006 NGBK Berlin; Galerie Jocelyn Wolff, Paris; MAK Center, Los Angeles. 2005 Kunstverein Salzburg;
Kunstverein Graz. 2004 Young Artists Biennial, Bukarest; Kunsthalle Exnergasse, Wien. 2003 rotor Graz;
House of Contemporary Arts, Budapest; Palais de Tokyo, Paris; Ludwig Múzeum, Budapest; Galerie im
Taxispalais, Innsbruck. 2002 Manifesta 4 Frankfurt; Essor Gallery, London. Er ist Mitherausgeber der
Zeitschrift dérive.
Katya Sander, * 1970, lebt in Kopenhagen und Berlin. Ausstellungen (Auswahl): 2007 DOCUMENTA 12.
2006 CCA Watts Institute, San Francisco; Künstlerhaus Bethanien, Berlin; "Periferic 7 Biennial for
Contemporary Art", Iasi; Artists Space, New York. 2005 Museum für Moderne Kunst, Wien; Rooseum, Malmø.
2004 Münchner Kunstverein; Moderna Museet, Stockholm. 2003 Charlottenborg, Kopenhagen; Kunstverein
Wolfsburg. 2002 ISCP, New York; migros museum für gegenwartskunst, Zürich.
Urtica, art and media research group (Violeta Vojvodic, Eduard Balaž, Daniel Stevanovic) wurde
1999 in Novi Sad (Serbien) gegründet. Urtica hat sich auf die Entwicklung transdisziplinaerer Projekte
spezialisiert, die Kultur, Technologie, Wissenschaft und Bildung miteinander verbinden. Ihr Werk reicht
von web-basierten Kunstprojekten, Medienaktionen zu Kurzvideos, die im Fernsehen für ein breiteres
Publikum gesendet werden. Festivals / Ausstellungen (Auswahl): "Transforming Memory" (Serbien), "Ars
Electronica" (Österreich), "FILE" (Brasilien), "Viper" (Schweiz),
"Ogaki Biennial 2004" (IAMAS, Japan).
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