IfAM - Institut für Angewandte Medienforschung

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Pornografie in allen Medien

(Prof. Dr. Werner Faulstich)

Es geht hier nicht um Erotika oder Sexfilme, sondern um Hardcore-Pornografie."Richtige Pornos" gibt es als Film, Video und Heftchen, aber auch in den Medien Blatt, Buch, Zeitung/Zeitschrift, Audiokassette, Foto, Telefon, Computer usw. Hardcore-Pornografie ist heute ein medienübergreifendes Kulturphänomen mit sprunghaft steigender Verbreitung, für das sich bislang, wenn überhaupt, nur wenige, und dann die falschen Wissenschaften, interessiert haben.

Das Mißverhältnis zwischen der offenbar zunehmenden gesellschaft- lichen Bedeutung von Pornografie und ihrer Vernachlässigung speziell durch die Medien- und Kulturwissenschaft war Anlaß für die Erarbeitung eines umfassenden Überblicks. Dabei wurden folgende thematischen Schwerpunkte unterschieden:

  • Definitionsprobleme
  • Juristische Aspekte
  • Pornografie und Kunst
  • Geschichte der Pornografie seit der Antike
  • Medien und Typologie
  • Ästhetische Bauformen in allen Medien
  • Handlungsrollen und Markt (in der Bundesrepublik Deutschland)
  • Rezeption, Konsumenten, Wirkung
  • Kritische Bewertung.

Ergebnisse u.a.:

  • Fast ausnahmslos werden in der Literatur verschiedene Diskursebenen miteinander verwechselt oder vermengt, die streng zu trennen wären:
    1. Sexualität, 2. die Darstellung von Sexualität (Pornografie), 3. das Reden über Sexualität und Pornografie.
  • Die meisten Definitionen von "Pornografie" sind wissenschaftlich unhaltbar. Tabu- und Sprachbarrieren behindern hier enorm. Gleichwohl konnte eine brauchbare Definition von Pornografie entwickelt werden.
  • Dagegen fehlt bis heute eine umfassende Geschichte der Pornografie. Eine erste Skizze verdeutlicht, daß "Pornos" keine Erfindung des 20. Jahr- hunderts sind, sondern zurückreichen bis in vorantike Zeiten der frühen Kulturgeschichte. Gemäß unterschiedlichen Funktionen und Medien lassen sich historisch sechs Entwicklungsphasen unterscheiden.
  • Eine Fallstudie zum heutigen Hardcore-Pornofilm/-video ergibt mit zwanzig Hauptkategorien und zahlreichen Untergruppen eine unerwartete Vielfalt an dominanten Motiven.
  • Pornografie gibt es heute in allen Medien. Zu ihren ästhetischen Bauformen existieren aber praktisch noch keinerlei wissenschaftliche Arbeiten.
  • Oligopolartige Strukturierung des Pornomarkts und extrem verbreiteter Konsum indizieren eine enorm steigende wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung.
  • Gängige Vorurteile zum Pornokonsum (z.B. nur wenige Menschen wären Pornofans, Pornos würden nur von Männern konsumiert, bevorzugt von älteren, oder Pornos seien auf die unteren sozialen Schichten beschränkt) sind ausnahmslos falsch.
  • Derzeit gibt es drei verschiedene Erklärungsmodelle für das Phänomen Pornografie (Spiegelungstheorie, Ventiltheorie, Korrelattheorie).

Veröffentlichungen:

  • Faulstich, Werner: Die Kultur der Pornografie. Kleine Einführung in Geschichte, Medien, Ästhetik, Markt und Bedeutung. Bardowick 1994.
  • Faulstich, Werner: "Hardcore-Pornofilme. Geschichte, Typologie, Ästhetik und Bedeutung". In: Karl Friedrich Reimers et al. (Hrsg.): Unser Jahr- hundert in Film und Fernsehen. Beiträge zu zeitgeschichtlichen Film- und Fernsehdokumenten. München 1995. S. 231-248.
  • Faulstich, Werner und Gerhard Schäffner: "...'Die Sprache der Liebe ist international'. Interkulturelle Konzepte heutiger Pornographie". In: Blick- winkel. Kulturelle Optik und interkulturelle Gegenstandskonstitution. Akten des III. Internationalen Kongresses für Interkulturelle Germanistik. München 1996. S. 875-884.
  • Faulstich, Werner: Kuriose Bevormundung. Der Zuschauer soll Porno- graphie finden dürfen. In: epd medien, Nr. 88 (28.1.1997), S. 8-12.
  • Faulstich, Werner: Die verdrängte Sexualität. Warum der Konsum von Pornographie ein Massenphänomen unserer Kultur ist. In: Evangelische Kommentare, Jg. 11 (1988), S. 634-637.
  • Faulstich, Werner: Über Schweinkram und Kultur. Warum Pornographie so bedrohlich erscheint. In: medium & erziehung, 42. Jg. (1998), Nr. 1, S. 68.

 

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